Der Rückblick auf die 850 Jahrfeier, die wir in der Zeit vom 30.06-02.07.1984 miteinander gefeiert haben, stiftete den Anlass für die Herausgabe des vorliegenden Buches. Gleichzeitig ist es in Dankbarkeit den zahlreichen Mitbürgerinnen und Mitbürgern gewidmet, die in mühevoller Arbeit an den Vorbereitungen und an der Gestaltung dieses herausragenden Festes in vielfältiger Weise mitgewirkt haben. Die Vorbereitung des historischen Festzuges hat über den Tag hinaus Gemeinschaft gefordert und zugleich gefördert, indem die einzelnen Vorhaben zu gemeinsamen Handeln angestiftet haben. wir freuen uns deshalb ganz besonders, dass wir nachstehend fast alle am Festzug beteiligten Gruppen mit eigenen Beiträgen vorstellen können.
Das Nachlesen und Betrachten wird ganz gewiss die Erinnerung an dieses festliche Ereignis wecken und über den gegenwärtigen Zeitpunkt hinaus lebendig erhalten. Gleichzeitig birgt das in diesem Buch vorgestellte Gesamtwerk Aufforderungscharakter, über die Erinnerung an Erlebtes und Vergangenes hinausgreifend tätig bleiben und das begonnene Werk über unseren Heimatraum in weiteren Kapiteln fortzuschreiben.
Besonderer Wertschätzung wird sich beim Leser die in jahrelanger Arbeit geleistete Erforschung und der mit sehr viel Mühe und Sorgfalt zusammengestellte Sprachschatz unserer Leuscheider Mundart erfreuen. Den älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern unter uns wird es Freude bereiten, sich fast vergessener, aber ihnen noch vertrauter Redewendungen und Wortschöpfungen Leuscheider Mundart erinnern zu können. Den jüngeren Lesern könnte sich durch das Erlesen und Aneignen des gesprochenen Wortes zurückblickender Tage ein Stück Vergangenheit lebendig und erlebnisnah erschließen. Dies ist das ausschließliche Verdienst unseres verstorbenen Mitbürgers, Herr Karl Schmidt aus Leuscheid, der dieses Werk geschaffen hat.
Abschließend richten wir unseren Dank an jene Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die in großer Zahl an der Gestaltung des vorliegenden Gesamtwerkes mitgewirkt haben.
Wir würden uns freuen, wenn dieses Buch dazu anregt, Vergangenes wieder neu zu entdecken, um den engeren Heimatraum und dessen Bewohner noch besser zu verstehen.
850 - Jahrfeier, - ein Fest im Gedenken an die Vergangenheit- natürlich war jedes Dorf bereit, zu diesem Ereignis etwas beizutragen. Auch Kuchhausen grübelte lange über ein Motiv für einen Wagen. Was lag wohl näher, - so wußte man bald, - als einen Wagen zu machen von unserem sehenswürdingen Basalt.
Um die Jahrhundertwende, so weiß man zu sagen, beschloß die Linzer Basalt A.G. es zu wagen, dort Steine zu brechen, um in Holland Deiche zu bauen. Sie setzten darauf ihr volles Vertrauen. So konnte aus Kuchhausen manch Familienvater in Not, dort sich verdienen sein tägliches Brot. Schnell war eine Lore da und Schienen, die zum Abtransport der Steine dienen. Dies Treiben dauerte etwas über ein Jahr, dann war aber leider alles klar, was herausgefunden Experten und Kenner, die Steine waren Sonnenbrenner! Der Basalt aber blieb bestehn, und es lohnt sich heute noch, ihn anzusehn.
So weit war nun alls klar, aber - das für eine Arbeit war! Alt und Jung, Frau und Mann, arbeiten tagelang daran. Die Modelliermasse durfte ja nun nicht zu trocken sein, dashalb goß man sich so manches Gläschen ein! Es war eine aufregende, aber schöne Zeit, bis endlich stand der Wagen bereit.
Das größte Problem jedoch war für uns war, wie stellen wir noch eine Fußgruppe dar ? ! Doch bald war auch dem Letzten klar, daß dies eine Aufgabe für die Kuchhauser Frauen war. Doch da könnte man ein "Liedchen" von singen zirka 20 Frauen unter einen Hit zu bringen ! ! ! Die eine meinte, als Bäurin zu gehn, die zweite aber fand dies nicht so schön, zog dabei eine saure Miene, "ich geh doch nicht als alte Trine" ! Endlich waren wir soweit, und wählten eine Sonntagstracht aus der damaligen Zeit. Schnell haben sich dann sechs Frauen ins Auto gesetzt und sind nach Kircheib zu Molly gehetzt. Nun aber ging das Suchen los, die Auswahl war dort riesengroß.
Bis wir endlich das Richtige hatten gefunden, waren vergangen etliche Stunden ! Schnell war auch eine Schneiderin zur Hand, die ihr Handwerk meisterhaft verstand. Mit großem Fleiß . - bei Tag und Nacht - hat sie sich an die Arbeit gemacht, bis schließlich dann es war soweit, daß jede hatte ihr Festtagskleid.
Nach langem Suchen faden wir dann zum Glücke, auch jemand, der uns lieh die Perücke. Endlich, am großen Tage X, ging mit uns alles fix, ja, - es ging wie geschmiert-, da waren wir alle schon frisiert !
Nur das Wetter schien es nicht so ganz gut mit uns zu meinen, machmal glaubte man, der Himmel wollte weinen ! Doch plötzlich hat dann die Sonne gelacht ! Da hat wohl wieder ein Leuscheider das Wetter selber gemacht ! Nur eines hätt` ich nun noch zu sagen, ja, eigentlich beklagen. Trotz Arbeit, Müh und Kosten, die wir uns gemacht, wurde in den Zeitungen nicht eine Zeile über Kuchhausen gebracht. Doch was auch immer der Grund gewesen mag sein, bis zum nächsten Fest soll`s vergessen sein.
Als derzeit größtem Verein im Kirchspiel Leuscheid war es uns eine Verpflichtung an der Gestaltung und Durchführung des Festzuges zur 850 Jahrfeier unseres Ortes Leuscheid teilzunehmen und mitzuwirken.
Die Vorbereitungen für dieses große Fest und vor allem für den Festzug liefen in unserem Verein recht zögernd an. Keiner erahnte so richtig die Größe der Veranstaltung und den Umfang des Festzuges. Mit zunehmender Zeit jedoch kehrte eine rege Betriebsamkeit in unsere Reihen ein, die an den Festtagen in eine wahre Begeisterung umschlug. Dies besondere, da die Idee der ursprünglich geplanten 1000 Jahrfeier in den Reihen des SV Leuscheid geboren wurde.
Für jeden unserer Teilnehmer am Festzug wurden die Stunden des Zugweges zu einem unvergessenen Erlebnis. Über 100 Aktive unseres Vereins beteiligten sich schließlich in vier Gruppen am historischen Festzug.
Im einzelnen wurden dargestellt:
1. "Burggräfinnen und Burggrafen " (s. eigenen Bericht) von derTurngruppe Gabriel
2. "Kindtaufe in früherer Zeit" von der Turngruppe Kann
3. "Bauernhochzeit um 1900" von der Damen-Volleyballmannschaft
4. "Schwedensoldaten im 30jährigen Krieg" von der 1. Mannschaft Fußball
Zur Geschichte unseres Vereins:(s. Bildfolge im Teil "Verschiedenes"
Innerhalb dieser nachgewiesenen 850 Jahre Leuscheid kann der SVL nunmehr auf eine 70-jährige traditionsreiche Vereingeschichte zurückblicken. Ein Zeitraum, in dem der Verein stes zum Wohle und vor allem zur körperlichen Ertüchtigung der Mitbürgerinnen und Mitbürger unseres Einzugsbereiches gewirkt hat.
Ein Zeitraum, in dem der SVL immer wieder die "Grün-Weißen" Farben für unser Leuscheider Land über alle Grenzen hinaus vertreten hat und damitein Aushängeschild unserer Heimat war und ist.
Aus unserer Chronik
Man schrieb das Jahr 1920 als die Gründer des heutigen Sportvereins "SV Leuscheid", unter dem Namen "Adler Leuscheid" den heutigen "SV Leuscheid" ins Leben riefen.
Wichtige Voraussetzungen für das Zustandekommen des Vereis waren
1. ein geeigneter Sportplatz und 2. ein ansprechendes Vereinslokal.
Beides stellte die Gastwirtin "Wwe. Henrichs" zur Verfügung.
Das erste Austragungsspiel fand im benachbarten Ort Imhausen statt. Auf Antragwurde dann der Sportverein "Adler" in die C-Klasse des Gaues Betzdorf eingegliedert. Der damaligen Zeit entsprechend fuhr man zu den regelmäßigen auswärtigen Spielen mit Fahrrädern auf anstrengenden Wegstrecken, Entfernungen bis zu 40 km bei jeder Art von Witterungsverhät-nissen. Es gehörte schon eine gewissene Begeisterung hinzu. Im Jahre 1931 wurde hier noch ein zweiter Verein unter dem Namen "Borussia" gegründet, bestand aber nur ein Jahr. Es kam zur Vereinigung der beiden Vereine unter der heutigen Bezeichnung "Sportverein SV Leuscheid". Hinfort zählte der Verein zum Gau "Siegburg". Bis zum Jahre 1940 konnte der Spielbetrieb durchgeführt werden. In den Kriegsjahren jedoch waren wegen Einberufung in den Heeresdienst nur noch Jugendsport möglich. Erst am Ende des 2. Weltkrieges änderte sich wieder alles. Nach den turbulenten Nachkriegsjahren begann der Sportverein zu wachsen. Nicht zuletzt wegen des ständig größer werdenden Freizeitangebotes, interessierten sich immer mehr Bürger für den Sport. Leibesertüchtigung wurde aus gesundheitlichen und gesellschaftlichen Gründen betrieben. So gliederte sich dem Fußballsportverein zunächst eine Damenturn-abteilung an. Später wurde die Turnabteilung, bedingt durch ihren großen Zuwachs, in zwei Turnriegen aufgeteilt. Eine Tischtennisabteilung, sowie eine Volleyballabteilung wurden gegründet. Ferner entstand noch eine Aerobicabteilung. Schließlich wurde noch fir Kleinsten eine Kinderturngruppe angeschlossen.
Durch die Angliederung der einzelnen Abteilungen entwickelte sich der SV-Leuscheid von einem reinen Fußballverein zu einem Verein mit einem breiten Spektrum vielfältiger Sportmöglichkeiten.
Struktur und Zielsetzung des SVL
Man kann mit Fug und Recht sagen, daß durch die Umwandlung des Vereins hin zum Breitensport, sozialpolitisch eine Basis entstanden ist, die allen Bürgern des Leuscheider Landes zu Gute kommt. Wie kaum anderswo werden gerade bei jugendlichen Mitgliedern Eigenschaften und Tugenden vermittelt, die für ihr späteres Leben von bedeutender Wichtigkeit sind. Ältere Vereinsmitglieder haben durch die Breite des sportlichen Betäti-gungsfeldes die Möglichkeit gefunden, bis ins hohe Alter Aktivitäten zu entwickeln, die einen gesunden Gegenpart zum Altagsleben darstellen.
Verein und Mitglieder
Der Sportverein Leuscheid, aus der Tradition gewachsen, ist auch heute noch ein Verein für jeden Einzelnen. Jedes Mitglied ist ein wichtiger Baustein im Vereinsgebäude. Nur so gut wie die einzelnen Steine sind, kann das gesamte Bauwerk sein. Der Sportverein konnte sich immer auf seine Mitglieder verlassen. Diese Tatsach hat es in der Vergangenheit erst ermöglicht, daß der Verein heute überall ein gutes Ansehen genießt. Damit es in Zukunft auch weiterhin aufwärts geht, wurden in vergangenen Zeiten Grundsteine geschaffen, die es gilt weiter zu entwickeln. - So wurde aus eigenen finanziellen Mitteln die Flutlichtanlage auf dem Sportplatz errichtet. Ebenso wurde durch Eigenleistung eine Tribüne mit Gebäude erbaut. - Das solche Dinge realisiert werden konnten, ist den vielen Mitgliedern zu verdanken, die uneigennützig zum Wohle des Vereins zur Verfügund gestellt haben.
Verein und Mitbürger
Dem Sportverein Leuscheid war und ist sich immer bewußt, daß er nur ein wichtiges Glied in der gesamten Bürgerschaft ist. Um dem Rechnung zu tragen, wurde schon immer eine gute Zusammenarbeit mit allen Teilen der Bevölkerung angestrebt. Ebenso bestrebt ist der Sportverein, die Öffentlichtkeit über das Vereinsleben zu unterrichten. Deshalb wurde vor einigen Jahren eine eigene Vereinszeitung geschaffen, die monatlich erscheint und von allen Bürgern erworben werden kann.
All das Erreichte war nur möglich, weil dem Verein von vielen Seiten immer wieder Unterstützung zuteil wurde. Dieses Interesse läßt uns auch weiterhin in die Zukunft sehen.
Als der Termin für die 850-Jahrfeier des Ortes Leuscheid feststand, kam uns die Idee, Verwandte aus dem fernen Kanada nach Leuscheid einzuladen. Wie es üblich ist, wollten wir eine Einladung schicken. Was bot sich da besser an als ein Bierdeckel, den eine Brauerei eigens zu diesem Ereignis drucken ließ. Gesagt, getan. Der Bierdeckel samt Einladung flogen über den großen Teich ins weite British Kolumbien. Einige Wochen später traf die Zusage aus Kanada ein.
Unser Cousin, der kanadische Bürger Albrecht Lenz,wollte bei der großen Geburts-tagsfeier des Heimat-ortes seines Vaters dabei sein. Dieser war 1907 nach Kanada ausgewandert und seinen Söhnen viel von seiner Heimat Leuscheid erzählt. Inzwischen liefen in Leuscheid die Vorberei-tungen auf Hochtouren. Einige Tage vor dem großen Fest traf auch der langerwartete Gast aus dem entfernten British Kolumbien ein. Er hatte fast 10.000 Kilometer zurückgelegt, um an diesem außergewöhnlichen Jubiläum teilzunehmen. Somit war er wohl der weitgereistete Gast diesem Fest. Die Freude und Spannung war groß, zumal er uns mit-teilte, daß der Bürgermeister seines Wohnortes "Campbell-River" ein Glückwunsch-Schreiben abgeschickt habe.
Besagter Bierdeckel war nämlich auf seinem Schreibtisch gelandet. Er fand in so originell und interessant, daß er sich veranlaßt sah, Grüße an unsere Gemeinde zu senden. Wir ahnten Schlimmes, als der Brief am Vortage des Festes noch nicht in Leuscheid einge-troffen war. Eine Nachfrage im Rathaus Rosbach gab unserer Befürchtung recht. Der Brief war irrtümlich dort gelandet und nicht an der Bürgerverein Leuscheid weiterge-leitet worden. Leider ist das Glückwunsch-Schreiben im Rosbacher Rathaus verschwun-den und trotz angestrengten Suchens nicht mehr gefunden worden. So gingen die Grüße, die um den halben Globus kamen, kurz vor ihrem Ziel im Windecker Rathaus verloren.
Große Probleme ergaben sich zunächst bei der Wahl eines geigneten Themas für die Beteilung an der 850-Jahrfeier. Dabei stellte sich allen Beteiligten eingangs die Frage nach der Vergangenheit des relativ kleinen Orte Schneppe.
In Büchern und Urkunden konnten keine verläßlichen Informationen über bedeutsame Ereignisse der Vergangenheit erlangt werden. Deshalb nahmen wir gerne die Anregung auf, daß -laut mündlicher Überlieferung- in Schneppe eine Zollstation gewesen wäre.
Da die Einwohnerzahl in Schneppe nicht allzu gr0ß ist, gab es viel zu tun. Der Aubau der Zollstation mußte geplant werden, auch die Kostümfrage mußte geklärt werden. In so mancher freien Stunde wurde tüchtig gearbeitet. Schließlich waren da noch die anstrengenden Abende, wenn in gemütlicher Runde die Fortschritte des Tages begut-achtet wurden. Mit viel Begeisterung und Spaß ging die Arbeit jedoch gut und zügig voran, so daß wir froh und stolz auf den "großen Tag" warteten.
Der Umzug am Festtag war sicherlich für alle Beteiligten ein nachhaltiges und unvergeß-liches Erlebnis.