In Erinnerung an den berühmten Fotografen wurde in Leuscheid 2003 ein Platz nach ihm benannt. Von 1944 bis 1963 lebte der am 17. November 1897 in Herdorf geborene Künstler in Kuchhausen im Hause Krämer. Von Kuchhausen aus hatte August Sander häufig Ausflüge in den Westerwald gemacht, wo er zahlreiche Porträts von unterschiedlichen Berufsständen fotografierte aber auch Landschaften.
Leider wurde das Hausteil an der rechten Giebelseite des Fachwerk-hauses in dem August Sander wohnte abgerissen.
Auf dem freistehenden Erdgeschoss wurde leider die Wohnung von August Sander abgerissen.
August Sander vor der Giebelseite seiner Wohnung
Gerd Sander (links), Enkel des berühmten Fotografen August Sander, weihte gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Bürger- und Verschönerungsvereins, Willi Fenniger, den August Sander Platz in Leuscheid ein.
August Sander -Biographie
August Sander wird am 17. November 1876 in Herdorf als dritter Sohn des Grubenzimmerhauers August Sander und seiner Frau Justine, geb. Jung, geboren. Von 1882 bis 1890 besucht er hier die Volksschule und geht ein Jahr später als Lehrling in die Eisenerzgrube "San Fernando". Als 16jähriger kommt er zum erstenmal mit der Photographie in Berührung, als ein Industriephotograph aus Siegen Aufnahmen auf dem Grubengelände macht. Bald darauf legt seine Familie 100 Taler für den Kauf seiner ersten Kamera zuammen. In den folgenden Jahren ist er als Amateurphotograph ziemlich produktiv. 1896 führt ihn der Militärdienst nach Trier. Das gibt ihm die Gelegenheit im lokalen Atelier in eine Art photographische Lehre zu gehen. Versehen mit einem Zeugnis des Atelierinhabers Jung macht er sich 1899 auf eine zweijährige Reise nach Hagen, Madeburg, Halle, Leipzig und Berlin, um dort in den verschiedenen photographischen Firmen weitere Erfahrungen zu sammeln. 1901 wird Sander Geschäftsführer des Ateliers Greiff in Linz an der Donau, kurz darauf wird er Inhaber des Betriebs. Von Internationalen Ausstellungen in Wels, Paris und Leipzig kommen allein im Jahre 1904 seine Bilder mit höchsten Auszeichnungen zurück. Seit 1902 verheiratet, wird August Sander, inzwischen Vater eines Sohnes, mit Ehrungen überhäuft. Aus nicht geklärten Gründen übersiedelt die Familie 1909 nach Köln, wo Sander schon 6 Monate später wieder ein Atelier eröffnet. Der Zuspruch der Kölner Bevölkerung ist nicht so, wie Sander aufgrund seiner Linzer Erfahrungen erwartet hatte. Deshalb wirbt er um Kunden bis in den Westerwald. 1910 ist er Teilnehmer der Werkbundausstellung, das Berliner Kunstgewerbemuseum kauft Arbeiten an, doch reicht dies nicht, seine Existenz auf gesicherte Bais zu stellen. Oft genug bewegt sich das Lindenthaler Atelier am Rande des Zusammenbruchs. Als Wanderphotograph entdeckt er nach dem Kriegsende im Jahre 1918 die Landschaftsphotographie, bis erneut ein Zufall eine Wende in seinem Schaffen bringt. Durch die Paßbildaktion der Besatzungsmächte wird August Sander zum gefragten Porträtphotographen. Prominente Künstler werden seine Kunden und Freunde, durch sie erhält er neue Impulse. 1921 reift die Idee zu seinem Werk, "Menschen des 20. Jahrhunderts". 1927 hat er genügend Material zusammengetragen, um im Kölner Kunstverein eine Ausstellung zu wagen. Der Erfolg verschafft ihm Ansehen auch außerhalb Kölns. Vor allem den Kontakt zu dem Verleger Kurt Wolff verdankt er die Veröffentlichung von 60 ausgewählten Bildern aus der Sammlung unter dem Titel "Anlitz der Zeit", versehen mit einem Vorwort von Alfred Döblin. Mit der nationalsozialistischen Machtergreifung begannen für ihn schlechte Zeiten. Sohn Erich, Mitglied der KPD, wird zu zehn Jahren Zuchthaus verurteit. Der Bildband "Antlitz der Zeit" wird von der Gestapo beschlagnahmt, die Druckstöcke werden vernichtet. Es erfolgt ein eingeschränktes Berufsverbot. Sander sucht wieder Zuflucht im Freiraum "Natur". Auf Wanderungen durch Siebengebirge, Eifel und Westerwald entstehen Landschaftsbilder, die zum Teil in kleinen Bildfolgen veröffentlicht werden. Dann entfesselt Hitler den Krieg. Sanders Sohn Erich überlebt den Kerker nicht. Als Köln 1944 brennt, fallen auch sei Atelier und über 30.000 Negative den Bomben zum Opfer und beenden Sanders Lichtenthaler Existenz. Voraus-schauend hatte er schon im Sommer 1943 die künstlerisch wertvollsten Bildbestände nach Kuchhausen, in der Gemeinde Windeck -am Rande des Westerwaldes-, geschafft, wo er bis an sein Lebensende ein bescheidenes Rentner dasein in einer engen Mietwohnung fristet. Zu seinem 70. Geburtstag mach der WDR 1946 nochmals auf ihn aufmerksam. Doch erst eine Sonderausstellung auf der "photokina" 1951 beendet sein Schattendasein: 1953 erwirbt die Stadt Köln seine Sammlung "Köln wie es war". Edward Steichen vom New Yorker "museum of modern art" kommt 1954 persönlich nach Kuchhausen und erwirbt Arbeiten Sanders für die Ausstellung "family of man" und für die Sammlung des "museums of modern art". 1958 wird Sander Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Herdorf. 1959 widmet die Schweizer Kunstzeitschrift "DU" Sander ein Sonderheft. In den Jahren 1960/61 erhält er das Bundesverdienstkreuz erster Klasse und den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie. 1962 ehrt Mexiko den Künstler mit einer Bildausstellung. Im gleichen Jahr er-scheint das Buch "Deutschenspiegel" mit einer Einleitung von Heinrich Lützeler. Nach einem Schlaganfall stirbt August Sander am 20. April 1964, sieben Jahre nach dem Tot seiner Frau Anna, in einem Kölner Krankenhaus.