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   Der Ziegenbock in der Kirche



Aus Leuscheid ist uns die folgende köstliche  Geschichte überliefert, die ein einheimischer Poet im vorigen Jahrhundert in einem bäuerlichen Anschreibebuch aufgezeichnet hat.

Es war mal Sonntagnachmittag, das Kirchlein auf dem Friedhof lag, hell in des Sommers Sonnenschein und hielt umschlossen groß und klein.

Des Liedes Hall ist schon verweht, der Pfarrer auf der Kanzel steht. Und die Gemeinde ringsherum vernimmt die Predigt still und stumm.

Des Friedens Geist hat sich ergosssen, die Kirchentür war nicht verschlossen.  Und draußen am Holunderstock, da nagt des Küsters Ziegebock.                                                        

Lustwandelnd auf der Gräber Flur entdeckt er nun der Menschen Spur.  Und schlich nach seines Herrn Gebraus bedächtig in das Gotteshaus.

Der Türe nah, als müßt es sein, da saß ein altes Mütterlein. Das lange mit dem Schlaf gerungen, bis sie die Predigt eingesungen.                                                    

Und wie sie nickt nach Schläfers Brauch, da faßt der Bock sie fest ins Aug.  Und denkt: so dichs nach Streit gelüstet, hier find`st du einen gut gerüstet.

Sie nickt von neuem. Fest und grade stellt sich der Bock in Stoßparade.   Und als zum dritten Mal sie nickt, da springt er ein, so kampfgeschickt,                           

das Stirn an Stirne heftig prallt und laut die Kirche widerhallt. Führwar die Schläferin erwacht, erschrocken und beschämt sie lacht.

Es lachten Junge und auch Greise, die Buben laut, die Mädchen leise. Und selbst des Pfarrers strenge Mine ein Lächeln zu verdrücken schiene.

Nur einer faßt ein ernst Gesicht, der Küster wars, der lachte nicht. Denn selber hat ers ja versehn, das offen blieb die Tüte stehn.

Er schlich sobald die Kirche aus, beklommen nach des Pfarrers Haus, um abzubüßen seine Schuld, der Pfarrer sah in an mit Huld.

Nun sprach er heiter: "Tröste dich, dein Bock tat heute mehr als ich.  Du sahest ja wie so mancher tief, trotz meiner Worte Feuer schlief.

Du sahst, ich rügte, schalt genug, schlug auf die Kanzel und aufs Buch.  Ich drohte selbst mit Kirchenstrafen, jedoch sie fuhren fort zu schlafen.

Doch nach des Bocks Erinnerung, ermuntert lauschten alt und jung   fortan der Predigt andachtsvoll, bis Amen von der Kanzel scholl".

So sprach der Pfarrer seinen Rat, gemäß der Küster hinfort tat.  Und selten ward seit jener Zeit die Kirche mehr durch Schlaf entweiht.

                                                                                                        Wilhelm Fuchs ?


Der Schwarze Puhl

Der "schwarze Puhl" liegt im "Lommerbruch". Hier sollen mehrere Ritter mit ihren Pferden in den Sumpf geraten und dabei umgekommen sein.

                                                                                                            Badur.

Die gewarnten Holzdiebe 

Ein überaus starker Mann aus Leuscheid, der wegen seiner Kraft weit und breit berühmt war, und welcher den Feldzug 1870/71 mitgemacht hatte, ging eines abends mit seinem Schwiegervater in den Wald ,um Holz zu stehlen. Sie gingen in ein Kieferdickicht. Heller Mondschein lag auf der Gegend. Der junge Mann war bald mit seiner Bürde fertig und war eben im Begriff, dieselbe von der Erde aufzunehmen, als er nach einer Stelle den Blick wandte, welche als unheimlich verschrieen war. Da sah er dort einen Mann stehen. Er legte nun seine Bürde wieder nieder und trat auf die unheimliche Gestalt zu. Da sah er, daß diese einen dreieckigen Hut trug, dazu ein kurzes Beinkleid und Schnallenschuhe. Das Gesicht des Mannes war außerodentlich breit und sah aus wie ein Totenschädel. Der Mann faßte sich ein Herz und fragte den Rätselhaften: "Was macht du hier?" Da wandte jener ihm zuerst das Gesicht und dann den Rücken zu, ohne sich weiter von der Stelle zu bewegen. Da überfiel unsern Holzdieb doch etwas wie Grauen. Er faßte sich aber bald, lief  zu seinem Schwiegervater zurück und teilte ihm sein Erlebnis mit. Zugleich beschwor er ihn, für sein Weib und seine Kinder zu sorgen; denn er wolle mit dem rätselhaften Gesellen energisch zu Leibe gehen. Der Schwiegervater war aber besonnen genug, ihm solche verwegenen Pläne auszureden. Beide nahmen ihre Bürde auf und nahten der Stelle, wo die Gestalt noch stand, ohne sich zu rühren

                                                                                                          Schell II,101.  

Vom Schildbürgertum in Leuscheid

Leuscheider Anschläge

En d`r ahlen Zitt, wi de Löschender noch ehr Aschläh mochten, hatte ihren Pastur es en Bei jestauchen.  Dat konnten se nu net verknusen, dat de Beien esu frech wohren, on et chof en Rewolte dronger on dröffer. Met ihrem Bürgermeester an der Spetzte zochen se us wie de Speckrossen: met Chreef, Flähl, Hacken, Chärschten, Beiel on Sähnselen 1), was nor Eener d`r ersch en de Hank chreeg. Nu chen et loss. Se schmessen de Beiefähser owen heröffer on schlogen döckersch 2) derzo herenn. D`r  Bügermeester führte et Kommando. Ob ehmol kütt en Bei ,on satzt sech em ob de Stiehn. Wie dat e Buhr sitt, du schleht he - katsch-dech- de Bürgermeester  für de Kopp , on sächt: "Här, do soos en !" 

1) d.s. Mistgabel, Dreschflegel, Hacken,Karsthacken, Beile und Sensen                                           2) öfters          

Das Pferdeausbrüten        

Die Biene entsteht aus dem Ei; die Raupe kriecht durch die Eierschale; und auch die Vögel haben in Ei ihre Urheimat. Das wußten auch die Leuscheider. Und als es ihnen an Pferden, deren Nützlichkeit in Eitorf kennen gelernt hatten, fehlte, kamen sie auf den Gedanken, Pferde regel-recht ausbrüten zu lassen. Aber es mußte ein großes Ei sein. Ein breitgefügter Bauer mit fester Sitzfläche mußte die Glucke sein und in einer kleinen Grube auf den Höhen am Hang ausge-suchte Runkelrüben ausbrüten. An der notwendigen Atzung der Männerglucke ließ es die Gemeinde nicht fehlen. So saß der gute Mann Tag und  Nacht auf der Runkelrübe und wartete der Dinge, die da kommen sollten. Eines Morgens fiel ihm ein Rühren ins Gebein, und er sprang auf, trat aber beim Aufstieg die Runkelrübe den Anhang hinunter, und rollend schlug sie in den Wacholderbusch. In diesem Augenblick merkte der Bauer sein Versehen und sah sich um, da sprang in seinem Blickfeld ein Hase und nahm seinen Weg querfeldein. In der Meinung, das ausgebrütete Füllen vor sich zu, rief der Mann: "Hier komm her! Hier ist deine Mutter!" So wäre beinahe das erste Pferd nach Leuscheid gekommen.

Die fortgerückte Kirche

Ein andermal,  als ein neuer Pfarrer eingetroffen war, der fest auf die Kanzel schlug und das Kind beim rechten Namen nannte, füllte sich allsonntäglich die Kirche in dem Maße, daß nicht alle Plätze fanden und viele auf dem kleinen Vorhof bleiben mußten. Jetzt galt es, die Kirche zu rücken. Die Gemeinde wurde zu löblichem Tun aufgeboten. Um den Erfolg des Rückens  fest-stellen zu können, legte man in einem Schritt Abstand von den jenseitigen Ecken frisch gebackene Brötchen nieder. Nun schob man, daß ich die Schulterblätter bogen  und die Zähne knirschten. Der Schulze hatte das Kommando und rief: "Aufgepaßt! Eins, zwei, hub." Dann lief er schnell rückwärts, um zu sehen, ob die Brötchen bedeckt seien. Weil es das Backwerk nicht mehr sah, legte er in einem Schritt neue Brötchen, und das Schieben, Schultern und Drücken nahm seinen Fortgang. Nach einiger Zeit überzeugte sich der Schulze wieder von dem Erfolg der Arbeit und konnte feststellen, daß nunmehr die Arbeit getan und die Kirche zwei Schritt fortgerückt worden sei. Als aber der nach Ehrentalsmühle ziehende Hammer Metzger  seinen Kälberhund anrief, kaute dieser an frischen Brötchen.     

Die Wassermühle auf dem Berge         

Ein    andermal fehlte  es den Leuscheidern an einer Mühle. Das umständliche Fahren talab und talauf in fremdes Gehege war ihnen zuwider, und sie beschlossen, im eigenen Stand zu moltern. Sie bauten eine Wassermühle kunstgerecht auf windiger Höhe auf und beschafften die kostbaren Mühlsteine aus Niedermedig. Als der Bau fertig war, und die Mühle in Gang gesetzt werden sollte, fehlte es an der Hauptsache, am Wasser. Diese Erkenntnis kam aber nicht als eine Selbstverständlichkeit, sondern war das Ergebnis einer langen Gemeinderatssitzung. Da wurde die Mühle abgebrochen, um an triebkräftigen Wasser aufgebaut zu werden. Unter er Obhut einer ständigen Wache blieben die Mühlsteine auf der Höhe liegen, bis der Bau fertiggestellt war. Dann kam der Gemeinderat zusammen und beschloß, die wertvollen Mühlsteine zum Transport den zuverlässigsten Leuten, also dem Schulzen und seinen Schöffen anzuvertrauen. Als die Gemeindeältsten sich verlaufen hatten, meinte der pfiffige Schulze: "Wir machen es uns bequem und rollen die Steine; damit wir sie ständig im Auge behalten, stecken wir den Kopf durch das Achsenloch. "Wie gesagt, so getan, und das Rollen nahm seinen Anfang. Bei dem rasenden Rollen wurde es dem Schöffen schwül, und er schrie dem Schulzen zu: "Halt fest, ich kann nicht mehr!" Und damit versanken Stein und Mann tief im Sumpf und wurden spurlos zugedeckt. Als man am anderen Tage die Mühlsteine abholen wollte, waren Stein und Mann verschwunden, un die Frauen konnten nun bekunden, daß die Ehemänner aus der Gemeinde-ratssitzung nicht nach Hause gekommen wären. Endlich des langen Wartens überdrüssig, meinte ein mistrauischer Bürger: "Die beiden haben die Mühlsteine gestohlen." Nun ging die Jagd los! Man schickte jemand nach Rosbach, Herchen und Eitorf und ließ fragen, ob Schulze und Schöffe nicht gesehen worden seien. Ein Nein war allerorts die Anwort. Als nach langem Rennen in Siegburg dieselbe Frage laut wurde, antwortete ein "Kastensmännchensweib" : " wie kann man die beiden kennen?". "Sie haben einen Mühlstein am Halse hängen", war die Gegen-antwort des Leuscheider Mannes. -- Auch dieser Streich mischt sich bunt aus Eigennutz, Selbstherrlichkeit, Dummheit und Mißtrauen.  

Der Pastor von Leuscheid

Die Leuscheider Pfarrer waren von jeher sehr eng mit ihren Pfarrkindern verbunden, was bei den vielen Familienfesten besonders zum Ausdruck kam.                                                                           Als wieder einmal eine Kindtaufe im nahen Niederleuscheid gefeiert wurde, durfte auch der Herr Pastor nicht fehlen. Nachdem er tüchtig Speise und Trank zugesprochen hatte, wurde er von seinem Gastgeber, einem biederen Bauern des Dorfes, ein Stück auf seinem Heimweg begleitet. Plötzlich verspürte der geistliche Herr ein menschliches Rühren und eilte in einen nahen Bauernhof, wo sich ein kleines Bretterhäuschen befand. Dort angekommen, konnte er sich trotz höchster Not nicht dazu entschließen, von der günstigen Gelegenheit einer Erleichterung Gebrauch zu machen; denn Türe und Rückwand des Häuschens fehlten.                                          In dieser verzweifelten Lage versuchte der Bauer seinem Seelenhirten etwas Mut zu machen, indem er ihm mit verschmitztem Augenzwinkern den philosophischen Rat gab: "Hockt öch röch he drop, van der Sitte sit mer öch net, van höngen kennt mer öch net on van für es et net schlömm!"     

Der Tod am Heilbrunnen

Um den Heilbrunnen im Ohmbachtal rankt sich gar mache Sage und Geschichte, liegt er doch in tiefer Waldeinsamkeit, weitab von aller menschlichen Geschäftigkeit.             Einst hatte ein Bauer im nahen Obersaal einen hühnenhaften Knecht, der bei allen Raufhändeln gefürchtet, doch bei den Kindern beliebt war, hatte er doch ein gutes Gemüt. Als er an einem kühlen Herbsttag in der Nähe des Heilbrunnens mit Waldarbeiten beschäftigt war, wurde er von einem Unbekannten angefallen und seiner Vesperbrote beraubt. In höchster Not versetzte er dem Unholden mit seiner riesigen Faust einen Schlag, so daß dieser auf der Stelle tot zusammenbrach. In seiner Verzweiflung -denn dieser Schlag war nicht beabsichtigt- schleppte der Knecht den Toten an den nahen Ohmbach und legt die Leiche ins Waser, um einen Unfall vorzutäuschen. Erst nach vielen Monaten wurde die verweste Leiche gefunden. Es soll sich um einen entsprungnen Patienten einer Heilanstalt gehandelt haben, der an seinem breiten, ledernen Leibriemen erkannt wurde. Der Täter aber meldete sich zu den Soldaten, um freiwillig auf dem Schlachtfeld den Tod zu finden. 

Bau der Kirche in Leuscheid 

Die evangl. Kirche in Leuscheid besitzt zwei Türme. Der Sage nach sollen drei Geschwister, einem Gelübde gemäß, drei Türme zu erbauen beschlossen haben. Eins derselben starb während der Bauausführung, und damit fiel der dritte Turm. Die Kirchenanlage weist auch darauf hin, daß Ansätze für einen dritten Turm gemacht worden sind. Weiter weiß die Sage noch zu berichten, daß eine adelige Familie, welche dem Orte Hundhausen gegenüber jenseits der Sieg auf einem Felsen ihren Wohnsitz hatte (Benzekausen?), die Kirche und Pfarrei nebst dem Zehnten, Gütern und Einkünften gestiftet haben.

                                                                                                vom Berg, 130.

Där bestrofte Moll

 Zo Löschend, doo hürt m´r noch mänche Jescheecht on een well ech hüt ees v´rzällen.  He cheng m`r barbaresch mom echt.  Doch o-ehne dat Dier vill zo quällen.Vi-el Mollhööf` vör Johren em Chaaden m`r fong.    Nohm Kaascht dät blu-es jeder noch langen.  Noh Wauchen däm Hannes op ees et jelong Dän chrüeßten  där Schwitte zoen.                                                            

Doo sech ald seng Schold an d Erd`su gehööft. Oss nex för dän Moll mieh zu erwen.    M`r hät si söß ömmer erschlo-en on v`rsööft. Doch där ääs "Exempel" soll "sterven"!

Schwin mooch m`ren Lauch, dänn en Lich`, di v`rschööcht Möll uus dän decken Knollrawen. Su däächt m`r sech dat on keen Steern wor, där äas läwend där Moll wur bechrawen!

                                                        E. Hundhausen   

Als  Leuscheid erstmalig mit Strom versorgt wurde  

Als in den zwanziger Jahren die Überlandzentrale gebaut und auch durchs Leuscheider Land geführt wurde, schlossen sich die Bewohner von Leuscheid ebenfalls an. Doch vorher mußte eine Genossenschaft gegründet und ein Vorstand gewählt werden. Als nun die Angelegenheit soweit gediehen war, wurde der erforderliche Transformator bestellt. Weil sich die Lieferung nun seltsamerweise sehr lange herauszögerte und man keinerlei Nachricht von der Lieferfirma bekam, verfaßte man im Vorstand ein Mahnschreiben an den Hersteller. Endlich, nach 14 Tagen, kam ein Brief, worin es u.a. hieß, man solle sich an AEG.L.44,V.5 in Mannheim wenden. Kein Mitglied des Vorstandes wußte, was diese Mitteilung zu bedeuten hatte. Man ließ nun den Herrn Lehrer kommen, der es ja wissen mußte, doch dieser wurde aus der Sache auch nicht klug und bat den Vorstand, den Herrn Pastor zu befragen, der es bestimmt wissen müsse. Der Pfarrer wurde geholt und nachdem er das Schreiben gründlich studiert hatte, sagte er: " Meine Herren! Dieser Hinweis bedeutet: Allgemeines evangelisches Gesangbuch, Lied 44, Vers 5. Ziehen Sie einmal Ihr Gesangbuch zu Rate". Nachdem er sich mit einem vielsagenden Lächeln verabschiedet hatte, wurde eiligst ein Gesangbuch herbeigeholt, worin zu lesen war: Er wird nun bald erscheinen in seiner Herrlichkeit, der all eur Klag und Weinen verwandeln wird in Freud". Er Ist`s der helfen kann; halt`t eure Lampen fertig und seit stets sein gewärtig, er ist schon auf der Bahn.

                                                                                                   J. Pracht  

Das Schwimmen im Flachsfeld

Zur Sommerzeit wollten die Leuscheider einmal das Schwimmen erlernen. Weil es ihnen am einem entsprechenden wirklichen Wasser fehlte, nahmen sie das blaue Flachsmeer "im Läger" zu Hilfe.  In Rotten zu zehn Mann traten die Bürger freudestrahlend an und lebten im Vorgefühl des künftigen Genusses. Wieder hatte der zehnköpfige Gemeinderat den Vorrang.  Die Wasserhelden verteilten sich im blauen Flachsmeer, strampelten mit den Beinen, fuchtelten mit den Armen und vergnügten sich mit Buchkrümmungen. Bald war die Schwimmkunst erlernt, und der Gemeinderat machte anderen Platz. Als man sinnig des Weges ging, meinte ein Bedachtsamer: "Es wird doch keiner von uns ertrunken sein?" Nun begann das Abzählen. Der Schulze prüfte: "Ich und du sind eins , zwei, drei usw. bis zehn. Er fand als Vollzahl neun. Ein anderer zählte ab und brachte die Zahl zehn zutage. Man kam überein, die Probe zu machen, und jeder der Rotte steckte seinen Finger in den Schlamm einer nahen Schwalbenlache. Jetzt zählte man die Löcher ab und fand zehn Vertiefungen. Es war keiner ertrunken.    

Das  verwandelte Eichhörnchen

Eigentümlicherweise spielt der Apotheker bei den Leuscheider Schildbürgerstreichen eine bedeutende Rolle. Vielleicht ist die Ursache so zu suchen, dass das geheimnisvolle Tun des Berufes und sein Erfolg ein Rätsel bleiben. Ein Leuscheider Landsmann kam nach Eitorf in die Apotheke, um ein Rezept ferigstellen zu lassen. Indes der Apotheler die Mischung vornahm, sah sich der Bauer im Raume um und beaobachtete in einem Käfig ein landfremdes Eichhörnchen, das ein Rad trommelte. Auf die Frage, was es sei, gab der Apotheker zur Antwort: "Es ist mein Provisor; den Kleinen ziehe ich mir groß; er sieht mir aus der Trommel zu und lernt so nach und nach alle Handgriffe". Die heilige Einfalt gab sich mit dem knurrenden "Merkwürdig!" zufrieden. Nach fünf Jahren kam der Bauer wieder in die Apotheke und fand an der Stelle des Apothekers einen rotlockigen Provisor vor. Der Leuscheider Mann riss die Augen sperrangelweit auf und sagte: "Ihr seid gut gewachsen". Unser Provisor konnte dem Wort keinen Sinn beimessen und fragte: "Wie meint Ihr das?" Da sagte der Bauer: "Vor fünf Jahren habt ihr die Trommel im Kasten gedrillt und nun könnt ihr schon Düten drehen. "Das hörte der im anstoßenden Zimmer sitzende Apotheker, kam herein, sah den Mann an und lachte aus vollem Halse. 

Das Heuwetter

Ein andermal regnetete es in Leuscheid zur Zeit der Heuernte nachhaltig, und man kam überein, in der Eitorfer Apotheke Heuwetter zu kaufen. Der Apotheker machte ein absonderliches Gesicht, besann sich ein Weilchen und ging dann in das Nebenzimmer, um die dicke Brummfliege zu fangen, die ihn am Morgen geärgert hatte. Er steckte die Fliege in eine Schachtel, nahm seinen Gulden und gab die Weisung, die Schachtel vorsichtig zu behandeln und das Heuwetter nicht vorzeitig fliegen zu lassen. Als der Leuscheider Hanphilipp den Eitorfer Wald hinter sich hatte, plagte ihn in dem strömenden Regen die Neugierde, und er wollte das Heuwetter in Wirksamkeit setzten. Kaum hatte er die Schachtel geöffnet, da flog die Brummfliege dem Eitorfer Wald zu, und Hanphilipp rief nachhaltig: "Heuwetter komm, dort ist Leuscheid!"

Die ausgesäten Stiere

Zu einer anderen Zeit hatten die Leuscheider mit den Stieren kein Glück, und man beschloß, einen DStier auf Ernte zu säen. Der letzte feiste "Bölles" wurde zerstückt, ein Brachfeld gedüngt, regelrecht zubereitet und dann mit den Fleischbrocken besät. Nach Wochen beauftragte man den Schulzen, den Stand der Aussaat in Augenschein zu nehmen. Breitspurig stapfte der Bauer über das Feld, bückte sich hier und da, um die herausgeregneten Fleischbrocken zu untersuchen. Wo er sich bückte, dufte er vergnügt schmunzeln, weil er überall Hörner aus der Erde aufragen sah. Er ratse nach Leuscheid, und meldete: "Unsere Stiere wachsen massenweise auf! Überall strecken sie die Hörner zu Tage!" Erhatte aber nur fressende Schnecken gesehen.   

Die Aussaat von Salz  

Als man einmal die Anfuhr des teueren Salzes zu lästig fand, kam man auf den Gedanken, auch Salz auf Ernte zu säen. Jeder Bauer mußte ein Pfund liefern, und die Bestellung des Feldes nahm den regelrechten Verlauf. Wieder wurde der Dorfschulze mit dem Amte betraut, sich von der Güte der Aussaat zu überzeugen. Er schritt auf das Feld zu und sah, gleich am Vortrab des Landes eine kräftige Pflanze, die er versuchte. Kaum aber hatte seine Zunge die Blätter berührt, so verzog er das Gesicht, schnalzte mit der Zunge, wippte mit Daumen und Mittelfinger und sprach: "Donner noch einmal! Wie schmeckt das stark!" Er hatte aber eine Brennessel in den Mund genommem.  

Der Kampf mit dem Wespenschwarm

In einem hohlen Baum am Kirchweg hatte sich in halber Manneshöhe ein Wespen-schwarm eingenistet, der allen lästig fiel. Als gütliches Zureden nicht half, sagte man dem Wespenschwarm Fehde an und bot den Heerbann auf. Alle Männer von 18 bis 50 Jahren bewaffneten sich mit Schrotflinten, stellten sich auf Anweisung des Schulzen in 15 Schritt Abstand im Kreise um den Baum auf und gaben auf Kommando des Schulzen Feuer. Der Pulverdampf hatte sich noch nicht verzogen, da winselten die getroffenen Bienenmänner ringsum im Kreise. Als die Verwundeten ausreißen wollten, spornte sie der Schulze mit den Worten zu neuem Kampfe an: "Hiergeblieben und weiter-geschossen! Im Kriege gibt es immer Verwundete.

Der verschwundene Schulze

Einst fand der Schulze am stark fließenden Wassser einen Weidenstamm, dessen Zweige niederhingen, ohne den Wasserspiegel zu erreichen. Treuherzig sagte der Schulze: "Ich will dem armen  Baum zu trinken verhelfen", stieg auf einen starken Ast und bog aus Leibeskräften. Da schnellte der Ast zurück, würgte den Mann zu Tode, und ungesehen strömte die Leiche der Sieg zu. Andern Tages benötigte man den Schulze und ging seine Frau an. Diese meinte: "Seht nach seiner Kappe, wenn diese nicht vorhanden ist, ist auch der Mann abwesend". Die Kappe wurde nicht gefunden, und der Schulze bliebt auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

                                                                                            Feuring